Samstag, 1. Juni 2013

Schalke kann sich auf Leon Goretzka freuen

Es ist noch nicht offiziell bestätigt, doch die Aussagen der Offiziellen deuten es an: Das Supertalent Leon Goretzka wird für die neue Saison zum FC Schalke 04 wechseln. Wenn es für die Fans des VfL auch ein Stich ins blauweiße Vereinsherz ist, so ist es für Goretzka und Schalke ein sinnvoller Wechsel. Vor allem auf das Mittelfeld-Duo Goretzka/ Neustädter dürfen wir uns in der neuen Saison freuen.

Zusammen mit dem nach Gladbach weitertransferierten Christoph Kramer bildete Goretzka in den letzten Saisonspielen bereits eine schlagkräftige Doppelsechs. Dabei musste Goretzka jedoch sein geliebtes box-to-box-Spiel stark einschränken. Zu dominant war der Offensivdrang von Kramer, insbesondere bei einem Rückstand des VfL. Goretzka hatte somit nur die Möglichkeit, sein strategisches Geschick aus tieferen Positionen einzubringen. Dabei fielen insbesondere seine mit dem Außenrist geschlagenen Diagonalbälle auf die rechte Außenbahn positiv auf. Diese drehen sich in Richtung der Außenlinie bzw. Eckfahne, so dass der Außenspieler die Möglichkeit hat, mit einem Kontakt direkt nach Innen oder die Linie lang vorbeizuziehen.  Auch flache Lochpässe in den Rücken der Außenverteidiger (bei 1:20 min) hat Goretzka im Repertoire. Seine große Stärke bleiben jedoch die dynamischen vertikalen Läufe und Dribblings, insbesondere nach einer Befreiung aus dem gegnerischen Pressing. Hierbei ähnelt er sehr Luka Modric.

Mit Roman Neustädter bekommt Leon Goretzka in Schalke nun einen kongenialen Partner an die Seite. Dieser ist es gewohnt, neben eher vertikalen Spielertypen, wie Jones aber auch Höger, alleine große Räume zu sichern.  Seine Bewegungen sind eher horizontal und auf das erste und zweite Drittel beschränkt. Darüber hinaus bevorzugt er es, seine langen Pässe aus einer zentralen oder halbrechten Position auf die linke Außenbahn zu spielen. Wobei er jedoch eher Kurzpässe favorisiert. Beide Aspekte ergänzen sich ideal mit Goretzka. Dieser kann seine Vertikalität durch die Absicherung voll ausspielen. Seine Diagonalbälle aus der halblinken Position können den starken rechten Flügel mit Farfan und Uchida ideal einsetzen. Insgesamt wäre das Schalker Spiel aus dem defensiven Mittelfeld damit gut ausbalanciert.

Eine weitere wichtige Komponente für die Einbindung Goretzkas in das Schalker Spiel ist die Interpretation der offensiven Mittelfeldposition. Hier hat Schalke in der Rückrunde mit Draxler und Raffael relativ variabel agieren können. Je nach Gegner wurde eine flügellastige oder vertikale Spielweise oder sogar eine hängende Spitze implementiert. Für Goretzka ist sicher die erstere Variante von Vorteil, da so Räume für seine dynamischen Vorstöße geschaffen werden. Sein Abschluss sollte er dafür jedoch weiter verbessern. In der laufenden Saison hat er kein Tor mit dem Fuß erzielt und mehrere 100 %-ige Torchancen liegen gelassen.

Zusammenfassend hat Goretzka in Schalke perfekte Bedingungen, sich weiterzuentwickeln. Läuft es gut, kann er mit 18 Jahren bereits Erfahrungen in der UEFA Champions League sammeln. Es sei ihm zu wünschen, dass Jens Keller ihm die Chance dazu bietet. Zwar sind die Konkurrenten Jones und Höger ähnliche Spielertypen und verfügen über deutlich mehr Erfahrung. Die theoretischen Rahmenbedingungen lassen jedoch vermuten, dass sich dieses Vertrauen für Keller auszahlen könnte.

So viele Möglichkeiten der Wechsel für Schalke 04 und Leon Goretzka auch bietet, der VfL Bochum steuert einer extrem schwierigen Saison entgegen. Mit Goretzka, Kramer und Rzatkowski verliert der Verein quasi sein komplettes Stammmittelfeld. Da auch Dabrowski seine Profikarriere beendet und der Vertrag von Toski nicht verlängert wird, steht Bochum momentan ohne einen Sechser im Stamm-Profikader. Das Geld aus dem Goretzka-Transfer muss auf jeden Fall erfolgreich investiert werden. Weitere Misserfolge in der Einkaufspolitik werden wohl erneut den Abstiegskampf in der zweiten Liga zur Folge haben. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt.

Kommentare:

  1. Damit ist durchaus eine interessante Konstellation möglich, persönlich zweifle ich aber daran, dass Neustädter in der nächsten Saison einen Stammplatz haben wird, leider wird er ja so ziemlich überall unterbewertet und oft suboptimal eingesetzt.

    Wie würdest du ein Mittelfeld aus Höger und Goretzka sehen? Zu instabil? Und du hältst Goretzka bereits reif für einen Stammplatz bei einem CL-Aspiranten?

    Vermutlich wird sich Goretzka mit Höger und natürlich Jermaine Jones abwechseln, der sich wiederum mit Neustädter abwechseln können wird. Dabei denke ich nicht, dass Jones weiterhin eine Rolle spielen sollte, es aber wohl tun wird.

    Generell könnten die Schalker in den nächsten Jahren eine unfassbar gute Mannschaft auftreten lassen. Goretzka, Meyer, Matip, Höwedes, Kyriakos, Uchida, Kolasinac, Neustädter, Höger, Draxler und Höger sind allesamt junge bis sehr junge Spieler (keiner über 25). Huntelaar als Mittelstürmer ist noch nicht so alt, Farfan und Bastos haben sicher noch 2-3 gute Jahre vor sich, vielleicht sogar mehr.

    Aus der Jugend kommen vielleicht noch paar große Talente aus der U17 (Bodenröder, Avdijaj, Dragon) rauf, in der U19 gibt es auch noch den polyvalenten Kaan Ayhan. Schaun mer moi.

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    1. Ich kenne Höger nicht so gut. Da er auch rechten AV spielt, wird er wohl eher Richtung rechter Außenbahn tendieren. Das kann nette Überladungen dort ergeben, so dass Goretzka entweder dynamisch in die linken Halbräume stoßen kann oder diese Seite ggf. aus einer absichernden Position mit Diagonalbällen einsetzt. Christoph Kramer hat ebenfalls einen starken Fokus Richtung rechter Flügel, das hat am Ende auch ganz gut geklappt. Ich persönlich würde aber die Kombination mit Neustädter favorisieren.

      Ob Goretzka stabil genug ist, wird sich zeigen. In Bochum hat er sich in Drucksituation häufig etwas zurückgezogen. Das lag aber auch an Kramer, der dann immer extrem aktiv wird, so dass Goretzka mit seiner Absicherung beschäftigt ist. Ich denke schon, dass Keller Goretzka das nötige Selbstvertrauen geben kann. Die Arbeit mit jungen Spieler liegt ihm ja. Das Talent ist da. Er ist schnell, zweikampf- und kopfballstark, hat einen guten Schuss, eine tolle Übersicht und für seine Größe eine gute Technik.

      Die Jugend von Schalke ist wirklich Wahnsinn. Die gewinnen in diesem Bereich mit schöner Regelmäßigkeit Titel. Vielleicht kommt da ja irgendwann eine dritte Macht in Deutschland.

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  2. Sehr interessanter Post. Ich bin weiterhin gespannt und hoffe, dass er im Laufe der Saison mehr Spielzeit bekommt.
    www.halbfeldflanke.de

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